Kartoffelkeller

Jetzt beginnt meine Jahreszeit.

Mit der Einlagerung wechseln die Bergkartoffeln von Marcels Händen in meine.

Für ihn kehrt langsam etwas Ruhe auf dem Hof ein. Die intensive Zeit auf dem Feld ist vorbei. Für mich beginnt jetzt die spannendste Phase des Jahres.


  

IM KELLER BEGINNT DAS ZWEITE KAPITEL

Viele Menschen glauben, dass mit der Ernte die Arbeit abgeschlossen ist. Doch unsere Bergkartoffeln entwickeln sich auch im Keller weiter. Jede Sorte hat ihren eigenen Charakter und reagiert unterschiedlich auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lagerdauer.

Manche möchten möglichst ungestört bleiben.

Andere brauchen regelmässige Aufmerksamkeit, Bewegung und Kontrolle. Und wieder andere verlangen fast ein wenig Zuwendung – als wollten sie nicht vergessen werden.

Über die Jahre habe ich gelernt: Kartoffeln sind fast so unterschiedlich wie Menschen.

Genau deshalb gehe ich immer wieder durch meinen Keller. Ich beobachte, wie sich die Sorten verändern, wie sich ihre Kochqualität entwickelt und wann der richtige Moment gekommen ist, sie an unsere Köchinnen, Köche und Kundinnen und Kunden weiterzugeben.

Auch im Keller braucht es Erfahrung.

Und manchmal einfach Gelassenheit.

Denn eine gute Bergkartoffel wächst nicht nur auf dem Acker.

Sie entwickelt ihren Charakter auch danach – in der Ruhe des Kellers.